Von Wien in die Welt: Wie Förderung österreichische Filme stärkt

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Förderung ist das Rückgrat der österreichischen Filmproduktion. Ohne öffentliche Gelder, Förderprogramme und institutionelle Unterstützung würden viele Filme gar nicht erst entstehen. Gleichzeitig steht dieses Fördersystem unter wachsendem Druck: In einem internationalen Markt, der zunehmend von Streamingplattformen und großen Festivals geprägt ist, reicht finanzielle Unterstützung allein nicht mehr aus. Wie gut ist Österreichs Filmstandort für diese Zukunft gerüstet?

Von Stefan Westermayer und Jovana Stojanovic

Ein frostiger Morgen über Wien: Zwischen Kabeln, Stativen und Monitoren herrscht auf einem Filmset konzentrierte Betriebsamkeit. Die Kamera filmt, das Team arbeitet routiniert – möglich gemacht durch ein komplexes Netz an Förderstellen und Finanzierungsmodellen. Doch im Hintergrund bleibt die altbekannte Spannung der österreichischen Filmbranche spürbar: kreativ stark, international jedoch oft unterschätzt. Die österreichische Regisseurin Jessica Hausner brachte dieses Dilemma bei einer Pressekonferenz zu ihrem Film „Little Joe – Glück ist ein Geschäft“ auf den Punkt: „Ich habe eigentlich nie wirklich Österreich orientierte Filme gemacht – ich versuche immer, Filme für ein internationales Publikum zu drehen …“. Ihr Satz beschreibt eine Realität, die viele Filmschaffende teilen. In Österreich entstehen ästhetisch anspruchsvolle Film- und Serienproduktionen, doch ihre internationale Wahrnehmung bleibt häufig hinter ihrem Potenzial zurück.

Gamechanger: Nationale Förderungen

Ein wichtiger Teil ist die Förder- und Produktionsstruktur Österreichs. Zwar verfügt das Land über eine lange Filmtradition, aber im internationalen Markt zu bestehen, ist in den letzten Jahren aufwendiger geworden. Streaming‑Plattformen und internationale Festivals entscheiden zunehmend über Sichtbarkeit und Erfolg – doch viele heimische Produktionen erreichen diese internationalen Räume kaum. Förderprogramme sind somit essenziell: Fehlt das finanzielle und strukturelle Fundament, fehlen auch die realen Umsetzungschancen.

Zahlen aus verschiedenen Studien belegen die wachsende Dynamik bei der Förderung: Seit Anfang 2023 gibt es das Förderprogramm „Filmstandort Austria plus“ „(FISAplus)“.  Bis Anfang 2025 wurden 162 Projekte mit rund 144 Mio.€ gefördert, davon ca. 54.Mio.€ im Jahr 2023 und ca. 90 Mio.€ im Jahr 20244. In diesen beiden Jahren fanden um die 4.000 Drehtage in Österreich statt, und es löste sich ein sogenannter „Österreich‑Effekt“ von rund 465 Mio. Euro ausgelöster Wertschöpfung. Damit zeigt sich: Förderung wirkt als Hebel – jeder Euro an Förderung löst direkte Produktionsausgaben in Österreich aus.

Auch regional schaut es gut aus: Der Filmfonds Wien unterstütze im Jahr 2023 insgesamt 149 Projekte mit mehr als 11,6 Mio.€ Förderung

Die Rolle der Filmförderung geht dabei weit über reine Budgetzuschüsse hinaus. Christine Dollhofer, österreichische Kulturmanagerin und Geschäftsführerin des Filmfonds Wien, betont im Interview mit THE SPOT – Media & Film, dass eine wirksame Förderung nur im Zusammenspiel funktionieren kann: „Es ist wichtig, dass wir Förderinstitutionen in Österreich, ob national oder regional, versuchen, an einem Strang zu ziehen und gesellschaftliche Entwicklungen und Herausforderungen gemeinsam aufzugreifen.“

Ihre Aussage macht deutlich, dass Filmförderung als strategisches Netzwerk zu verstehen ist – eines, das Finanzierung, Produktionsinfrastruktur und internationale Ausrichtung miteinander verbindet und damit aktiv die Zukunft des österreichischen Filmstandorts mitgestaltet.

Doch trotz der positiven Zahlen bleibt die internationale Wahrnehmung vieler österreichischer Produktionen eingeschränkt. Dollhofer betont: „Die Kinolandschaft hat sich stark verändert. Früher gab es durchaus österreichische Produktionen, die 600.000 Besucher*innen anlockten. Heute ist ein Film mit 100.000 verkauften Tickets ein Erfolg. Der Markt ist sehr kompetitiv geworden…“. In einer Zeit, in der Streamingdienste und globale Plattformen den Ton angeben, bedeutet das: Das Kino muss etwas Besonderes bleiben.

Deckelung, aber Stabilität

Ein weiteres Problemfeld: Planungssicherheit und Rahmenbedingungen. Alexander Dumreicher‑Ivanceanu, Obmann des Fachverbands der Film- und Musikwirtschaft in der Wirtschaftskammer sagt: „Planungssicherheit ist bei der Umsetzung von Filmproduktionen ein wesentlicher Faktor.“ Wurden am Anfang des Jahres wegen der Verzögerung bei der Regierungsbildung die Fördergelder noch eingefroren, wurde jetzt vor kurzen eine Deckelung der Fördergeld auf 80 Millionen angekündigt. Trotz der Deckelung atmet Dumreicher-Ivanveceanu auf: „Damit ist sichergestellt, dass Projekte in Zukunft auch tatsächlich stattfinden können.“

Was bedeutet das für die Zukunft? Österreich steht mit seinen Förderinstrumenten gut da, bietet internationale Anreize und wächst als Produktionsstandort. Mit FISAplus und lokalen Fonds wurde eine solide Basis gelegt — nun gilt es, diese Chance zu nutzen und den Schritt von national zu international zu schaffen. Ebenfalls soll nächstes Jahr Streamingplattformen den Kampf angesagt werden. Eine „Investitionsverpflichtung“ soll zukünftig Netflix & Co dazu verpflichten in die nationale Filmwirtschaft zu investieren.

Linksammlung

Pressekonferenz von Jessica Hausner (Zitate – IMDb)

Aufgaben und Ziele: Österreichisches Filminstitut (ÖFI)

Handbuch staatlicher Filmförderung: Hilft Filmförderung? (Springer)

Richtlinien für die FISA+ Förderung: FISA+ Funding Guidelines for Austrian Productions

Aktuelle Zahlen seit Reform von FISA+ Förderung: Bundesminister Kocher über aktuelle Zahlen (OTS)

Pressemeldung zu ABA Studie: Evaluierung FISAplus

Filmfonds Wien zieht Bilanz: zum Förderjahr 2023

Interview mit Christine Dollhofer vom Filmfonds Wien (THE SPOT)

Appell von Obmann des Fachverbands Film- und Musikwirtschaft Dumreicher-Ivanceanu

ORF- Artikel zum Neustart von FISAplus

Standard- Artikel zum Förderungsstopp für Filme

Mehr zu diesem Thema: Der Podcast des österreichischen Filminstituts „Ton läuft“ hat sich mit Jessica Hausner unterhalten – jetzt reinklicken: