Jan Kaindlstorfer
Für viele Menschen sind Hooligans schlicht gewalttätige, gefährliche und streitsuchende Rowdys. Doch was treibt Menschen wirklich dazu, die Liebe zu einem Fußballverein in Aggression und Chaos zu verwandeln? Ein Blick hinter die Kulissen einer komplexen Fankultur.

Hooligans: Ursprung und Identität
Womit verbinden Sie das Wort Hooligan? Vielleicht mit Brutalität oder Ruchlosigkeit?
Es ist ein Begriff, der allgemeinhin sehr negativ behaftet ist. Kein Wunder, stammt er doch vom englischen Wort „hooliganism“, der übersetzt so viel bedeutet wie: Das Verhalten einer gewalttätigen Person, die an öffentlichen Orten kämpft oder Schaden verursacht. Die ursprüngliche Herkunft der Bezeichnung ist nicht gänzlich geklärt. Ein Ansatz besagt, sie ginge auf eine fiktive irische Familie aus einem Music Hall Song der 1890er Jahre, namens O’Hoolihan, zurück. Diese war für ihre cholerische Art und ihre Gewaltbereitschaft bekannt. Das Wort könnte aber auch dem Londoner Verbrecher O’Hooligan entsprungen sein. Um die Jahrhundertwende etablierte sich der Begriff in den Medien. Zuerst wurden Straßenkriminelle und alkoholisierte, gewalttätige Männer als Hooligans bezeichnet. In den 1960er und 1970er Jahren, begann in England die Assoziation mit dem Fußball, die circa zehn Jahre später auch in den deutschsprachigen Raum überschwappte. So entwickelte sich die Bezeichnung, die wir heute noch gebrauchen. Ein „Hool“ ist ein junger Mann, meist 15 bis 35, für den der sportliche Aspekt Nachrang hat und der Befriedigung beim Ausleben seiner Aggressivität findet. Frauen sucht man übrigens vergeblich in der Szene.
Differenzierung: Ultras und Hooligans
Ein zentrales Missverständnis in der öffentlichen Wahrnehmung ist die Gleichsetzung von Ultras und Hooligans. Wie ein anonymer Ultra erklärt: „Hooligans beschränken sich hauptsächlich auf die Aktivitäten außerhalb des Stadions, wie zum Beispiel eben Kämpfen, während die Aufgabe der Ultras eher darin besteht, Stimmung im Stadion zu machen, Choreografien zu planen und sowas.“ Das bedeutet aber nicht, dass Ultras friedliche Menschen sind. „Hools sind gewaltsuchend, Ultras gewaltbereit,“ beschreibt es der Insider.
Rekrutierung und Organisation:
Die Rekrutierung neuer Mitglieder erfolgt in der Hooligan-Szene meist über persönliche Kontakte, etwa beim Kampfsporttraining. Oft entsteht die Integration auch aus Freundschaften mit anderen Fans. Entscheidend ist jedoch der erste Kampf: „Eigentlich bist du meistens nach deinem ersten Kampf auf der Wiese bei den Hools dabei“.
Organisierte Kämpfe, sogenannte „Wiesenkämpfe“, folgen strikten Regeln: „Es wird vorher einklatscht, um zu zeigen, dass keine Waffen im Spiel sind. Sollte eine Gruppe mit Waffen kommen, will niemand mehr was mit denen zu tun haben.“ Auf der Straße hingegen dominieren Chaos und höhere Verletzungsrisiken, wie er darlegt. „Auf der Straße verletzen sich mehr Leute und auch stärker.“
Stellungnahmen der Vereine und Kritik
Fußballvereine stehen im Spannungsfeld zwischen der Unterstützung ihrer leidenschaftlichen Anhängerschaft und der Notwendigkeit, sich klar von gewalttätigem Verhalten zu distanzieren. So verurteilte der FK Austria Wien nach Ausschreitungen im Wiener Derby 2014 die Vorfälle scharf und betonte seine Zusammenarbeit mit den Behörden, um die Täter zu fassen.
Trotz öffentlicher Distanzierungen wird Vereinen oft vorgeworfen, nicht entschieden genug gegen gewalttätige Hooligans vorzugehen. Ein Beispiel aus dem Interview verdeutlicht, warum diese Kritik besteht: „Wenn ein 18- oder 19-Jähriger mit einem Ultra Schal eines verfeindeten Vereins rumläuft, dann wird er sicher nicht mit dem Schal nach Hause gehen“, sagt der Insider. Der Vorwurf, Vereine würden solche Szenen dulden, bleibt bestehen. Dennoch arbeiten viele Klubs an neuen Konzepten, um Sicherheit und Fankultur zu vereinen.
Eine Subkultur der besonderen Art
Hooliganismus im Fußball ist ein komplexes Phänomen, das tief in der Dynamik von Gruppenzugehörigkeit, Identität und gesellschaftlichen Spannungen verwurzelt ist. Außerdem geht es viel um Ehre. Die Aussagen des Insiders werfen ein Licht auf die strikte Organisation und die ungeschriebenen Regeln innerhalb der Szene. Zugleich zeigt sich, dass die Gewaltbereitschaft nie völlig von der Fankultur getrennt werden kann. Vereine stehen vor der Herausforderung, klare Grenzen zu setzen, ohne dabei die Bindung zu ihren Fans zu verlieren.
Abschließend lässt sich aber auch sagen, Zivilisten haben Hooligans nicht zu fürchten. Wie der Insider betont: „Wir sind keine Unmenschen. Wenn wir beim Stadion einen Familienvater mit seinem Sohn sehen, wird niemand die angreifen.
Quellenverzeichnis:
https://dictionary.cambridge.org/dictionary/english/hooliganism
Letzter Zugriff am 4. Jänner 2025
https://www.oxfordlearnersdictionaries.com/definition/english/hooligan?q=Hooligan
Letzter Zugriff am 4. Jänner 2025
https://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/hooligan-eine-begriffserklaerung-a-1100923.html Letzter Zugriff am 5. Jänner 2025.
Meier, Ingo – Felix, 2001. Hooliganismus in Deutschland : Analyse der Genese des Hooliganismus in Deutschland
Ek, Ralf, 1996, S31. Hooligans, Fakten, Hintergründe, Analysen (Ek,1996, S.31)
https://www.bachelor-master-publishing.de/document/297825?utm
Letzter Zugriff am 4. Jänner 2025
90minuten.at. 2014. „Austria – Schande für unseren Fußball.“ Letzter Zugriff am 30. Dezember 2024. https://www.90minuten.at/.
Müller, Frank. 2021. Die Schattenseite des Fußballs: Gewalt und Fankultur in Deutschland. Berlin: Springer.
Smith, James. 2019. The Origins of Hooliganism. Oxford: Oxford University Press.
Welt. 2023. „Angriff von Schalke-Hooligans auf Bergamo-Fans.“ Letzter Zugriff am 30. Dezember 2024. https://www.welt.de/.