Kinder im Netz: Risiken beim Teilen von Bildern und Videos

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von Emilia Marisol Vario & Ena Zekic

Das Teilen von Fotos und Videos der eigenen Kinder auf Social Media ist ein wachsender Trend, besonders bei InfluencerInnen. ExpertInnen warnen vor psychologischen und rechtlichen Risiken und betonen die Bedeutung der Kinderrechte.

Recht auf Privatsphäre

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Kinder haben, wie Erwachsene, das Recht auf Privatsphäre und auf das eigene Bild. Veröffentlichte Aufnahmen aus der Kindheit können im späteren Leben zu Schamgefühl führen, vorallem aus Angst davor, welche Meinung andere über einen haben. Frau K., Lehrende an einer Bildungsanstalt für Elementarpädagogik in Wien(kurz auch BAfEP: bildet zukünftige Kindergarten und Elementarpädagog*innen aus) erklärt:

„Kinder können nicht entscheiden, was online veröffentlicht wird. Diese Verantwortung liegt bei den Eltern.“

Frau K.

Laut Psychologin Regina Santner-Klammer entwickelt ein Kind erst ab etwa acht Jahren ein moralisches Bewusstsein und kann bis dahin nicht bewusst über die Verwendung von digitalen Inhalten entscheiden. Auch nach diesem Alter ist das Verständnis der langfristigen Folgen oft noch eingeschränkt. Bereits kleine Details oder Fotos, die harmlos erscheinen, können später negative Auswirkungen auf das Selbstbild oder das soziale Umfeld des Kindes haben.


Rechtliche Grauzonen in Österreich

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In Österreich gibt es kein eigenes Gesetz, das das Veröffentlichen von Fotos und Videos mit Kindern regelt. Werden Kinder jedoch im Rahmen kommerzieller Online-Inhalte eingesetzt, kann das Kinder- und Jugendlichen-Beschäftigungsgesetz (KJBG) zur Anwendung kommen. Zusätzlich enthält das Allgemeine Bürgerliche Gesetzbuch Bestimmungen zum Schutz der Privatsphäre Minderjähriger. Die Datenschutzbehörde betont seit Jahren, dass Content mit Kindern und rund um Kinder im Netz riskant ist. Wie im Standard erwähnt, hat Frankreich bereits ein eigenes Gesetz für sogenannte „Kinder-InfluencerInnen“, also für InfluencerInnen, welche Videos und Fotos mit ihren Kindern oder über ihre Kinder posten. In Österreich wird über ein ähnliches Gesetz diskutiert. Laut der Lehrerin, wäre ein solches Gesetz das Mindeste, was man zum Schutz der Kinder, die dieser Form von Öffentlichkeit ausgesetzt sind, erlassen sollte.


Sharenting: Die Perspektive der Kinder


Das Deutsche Kinderhilfswerk untersucht das Phänomen „Sharenting“, eine Kombination aus den Wörtern „Parenting“ und „to share“. Der Begriff bezeichnet das Posten von Inhalten der eigenen Kinder durch Eltern auf öffentlichen Plattformen wie TikTok oder Instagram. Studien zeigen: Kinder würden deutlich weniger Inhalte teilen als ihre Eltern.

„Die Sichtweise zwischen den Eltern und Kindern ist unterschiedlich.
Bei der Veröffentlichung der Kinderaufnahmen werden die Bedürfnisse der Kleinen oft unterschätzt und das Kind wird hintergangen.“

Santner-Klammer


Kinder als Werbemittel


Laut der Psychologin, transportieren Kinder Emotionen und wecken Vertrauen, was sie als Werbemittel attraktiv macht. Viele Influencer:innen nutzen dies zu ihrem Vorteil, gehen Kooperationen mit verschiedenen Unternehmen ein und erzielen damit Einnahmen, während die Kinder im Mittelpunkt der Inhalte stehen.

„Eltern fragen sich nicht, was das für das Kind bedeutet. Eigentlich sollte man in Interaktion mit dem Kind gehen und es nicht aufnehmen. Es stellt sich die Frage, welchen Mehrwert das Kind von der Veröffentlichung hat, auf Interaktions- und Beziehungsebene.“

Santner-Klammer


Gefahren durch das Internet


Neben psychologischen Risiken birgt das Netz konkrete Gefahren sowie der Missbrauch von Kindern und:

Cybermobbing

Cybermobbing: Bezeichnet das absichtliche Belästigen, Bloßstellen oder Schikanieren einer Person über digitale Medien wie soziale Netzwerke, Messenger oder Spieleplattformen.

Cyber-Grooming

Cyber-Grooming: Wenn Erwachsene online Kontakt zu Kindern aufnehmen, um sie emotional zu manipulieren, Vertrauen zu gewinnen und sexuell zu missbrauchen.

Frau Santner-Klammer betont, dass Kinder nicht in der Lage seien, die Konsequenzen abzusehen. Sie verstünden nicht, wer alles das Bild sehen und was damit gemacht werden kann. Selbst harmlose Aufnahmen können von Kriminellen manipuliert und verbreitet werden. Fotos von Babys und Kindern werden teilweise für sexuelle Zwecke missbraucht.

„Ich spreche auch als Mutter, wenn ich sage: Kinder können nicht beurteilen, was online mit ihren Bildern passiert. Wir Erwachsenen müssen diese Verantwortung ernst nehmen.“

Frau K.


Schutzmaßnahmen und Prävention


„Die Social Media Generation sieht das Veröffentlichen von Kinderbeiträgen nicht mehr als kritisch an. Das heißt, es bräuchte viel mehr Aufklärung und Reflexion, weil die Medienentwicklung viel zu schnell voranschreitet.“, so Santner-Klammer. Eltern können aktiv Maßnahmen setzen, um Kinder zu schützen. Informationsangebote wie Infokarten von Klicksafe helfen bei der Entscheidung, ob alle Aspekte berücksichtigt wurden. Eine weitere bekannte Plattform für Informationen, insbesondere zum Thema Kindersicherheit im Internet, ist saferinternet.at. Laut Frau K. können auf Anfrage dort auch konkrete Fragen gestellt werden.