Die dunklen Wintermonate sind für viele Menschen eine schwierige Zeit. Kurze Tage, eisige Temperaturen und Mangel an Tageslicht können bedrückend wirken. Für Menschen, die unter Winterdepressionen leiden, ist diese Zeit eine Qual.
Digitalisierung und Mangel an Tageslicht als Schattenmonster!?
In den letzten Jahren hat die Zahl der Menschen mit Winterdepressionen zugenommen. Als Hauptauslöser der Erkrankung sieht Dr. Dietmar Winkler, Experte für Winterdepressionen am Allgemeinen Krankenhaus Wien, den Lichtmangel in den Wintermonaten und die Auswirkungen der Digitalisierung. Wie beispielsweise soziale Isolation, ständige Erreichbarkeit, Vergleiche in sozialen Medien und verringerte Zeit im Freien. Ebenso erläutert Dr. Winkler, dass die Kernsymptome depressive Stimmung, Interessenlosigkeit und Antriebslosigkeit sind. Zu bewährten Therapiemethoden gehören Lichttherapie, Einnahme von Antidepressiva sowie die Pflege von sozialen Kontakten. Ganz zu verteufeln ist die Digitalisierung jedoch auch nicht, denn auch digitale Tools können bei der Symptomlinderung ihr Potenzial entfalten und Wirkung zeigen.
Lichtblick durch digitale Helfer
Während die Digitalisierung einen großen Schatten auf die psychische Gesundheit vieler Menschen wirft, gibt es mittlerweile auch zahlreiche digitale Tools, die die mentale Gesundheit fördern können. Zum Beispiel Apps wie MindDoc, Headspace, Lightbox Therapy und Wysa. Diese Apps bieten jeweils spezifische Funktionen, die auf die Bedürfnisse von Menschen mit den Winterblues zugeschnitten sind. Wie beispielsweise Moodtracker, Achtsamkeitsübungen oder Meditationen, stimuliertes Tageslicht und Chat-Funktionen.
Die Nachfrage nach flexiblen und kostengünstigen Behandlungen von psychischen Belastungen wächst stetig. Die Pandemie und die Digitalisierung haben diesen Bedarf noch verstärkt, da sie Isolation fördern. Betroffene kämpfen jedoch mit langen Wartezeiten und teuren Therapiesitzungen um Hilfe zu erhalten. Deshalb können digitale Lösungen genau diese Unterstützung leisten.
Eine Betroffene junge Dame berichtet davon, wie ihr die Apps MindDoc und Headspace dabei helfen ihren Alltag erträglicher zu gestalten. Sie erläutert auch, dass sie jene Apps zur Überbrückung der langen Wartezeit auf einen Therapieplatz nutzte. Ebenso neben der Psychotherapie stellen diese Apps eine großartige Begleitung dar. Sie spricht auch davon, wie diese digitalen Tools ihr in schwereren Phasen helfen. Da die Antriebslosigkeit es ihr oft erschwert aus dem Bett zu kommen, weshalb sie dann tagelang nur am Smartphone ist und es ihr sogar schwerfällt ihre Therapiestunden wahrzunehmen. Deshalb nutzt sie diese Apps, um ihre Zeit am Smartphone „sinnvoll“ zu nutzen. Jedoch appelliert sie an alle Betroffenen diese Apps nicht als Ersatz einer professionellen therapeutischen Behandlung anzusehen, lediglich als eine Unterstützung.
Ergänzung statt Ersatz
Digitale Tools sollten nicht als vollständiger Ersatz für traditionelle Therapieformen angesehen werden. Sie können eine wertvolle Ergänzung sein, um bei der Genesung zu unterstützen. In Kombination mit bewährten Methoden wie medizinischer Lichttherapie, Gesprächstherapie und sozialer Interaktion können sie durchaus hilfreich sein. Dr. Winkler sieht den Einsatz digitaler Tools vor allem bei jungen und technikaffinen Patient:innen als sinnvoll an. Gleichzeitig merkt Dr. Winkler jedoch kritisch an, dass digitale Tools wie Apps zur Simulation von Tageslicht aktuell nicht mit der Effektivität traditioneller Lichttherapie konkurrieren können.
Soziale Kontakte sind und bleiben ein zentraler Aspekt bei der Genesung. Neben emotionaler Unterstützung helfen sie auch, den Alltag zu bewältigen. Digitale Tools können diesen Aspekt teilweise ergänzen, beispielsweise durch Online-Communities oder interaktive Funktionen, jedoch wäre es niemals so effizient wie herkömmliche soziale Interaktion.

Pexels; Fotografie von Ibraim Leonard