Strukturelle Ungleichheiten: Der Weg zum Profi im Frauen- und Männerfußball

Die Karrierewege von Frauen- und Männerfußballern unterscheiden sich grundlegend – und das schon im Nachwuchsbereich.

Fußball ist weltweit der beliebteste Sport, und der Traum vom Profifußball beginnt für viele schon in der Kindheit. Doch der Weg dorthin ist für Mädchen und Frauen mit mehr Herausforderungen gespickt als für ihre männlichen Kollegen. Zwei persönliche Einblicke von Clara Längle, einer ehemaligen Spielerin, und einem Regionalligaspieler und Jugendtrainer, verdeutlichen diese Problematik aus erster Hand.

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Nachwuchsstrukturen in Österreich
Vor den finanziellen und medialen Differenzen als Profi beginnt das Ungleichgewicht zwischen Männer- und Frauenfußball bereits in Nachwuchsstrukturen und Förderprogrammen. Das „Projekt12“ des österreichischen Fußballbundes (ÖFB) bildet auf größter nationaler Ebene das Konzept der Jugendarbeit und Talentförderung im Fußball, wobei nach kurzem Blick die ersten Ungleichheiten deutlich werden. Während der Weg für die talentiertesten Spieler in den Männer-Profifußball durch flächendeckend organisierte Strukturen wie Akademien, insgesamt 15 Einrichtungen verteilt über ganz Österreich, gewährleistet wird, erleben Frauen ein ganz anderes Bild. In ganz Österreich gibt es eine einzige reine ÖFB-Frauen-Akademie in St. Pölten, was neben der eingeschränkten Zugänglichkeit für Spielerinnen aus entfernten Regionen auch Wettbewerbe auf Augenhöhe unmöglich macht.
Dies zieht sich weiter, bis hin zum Übergang in den Profibereich. Während Männern durch die resultierenden strukturierten Wettkämpfe ein klarer Übergang von den Akademien zu Profi-Klubs in der Bundesliga geboten wird, ist bei Frauen der Übergang weniger etabliert. Oftmals trainieren Spielerinnen bis ins Jugendalter bei den Burschen mit, bis sie aufgrund körperlicher Unterlegenheit nicht mehr mithalten können und eine Frauenmannschaft nicht in unmittelbarer Nähe ist. Diese äußeren Umstände und die vielen Hindernisse, bringen junge Spielerinnen oft davon ab, ihrem Traum, dem Fußball, nachzugehen.


„Für mich war Fußball immer ein Hobby“
Clara Längle begann mit acht Jahren, Fußball zu spielen, damals noch in einem gemischten Team mit zwei weiteren Mädchen. „Ich habe mich in meiner Mannschaft nie unwohl gefühlt. Mit 14 bin ich in ein reines Frauenteam gewechselt, da ich aufgrund körperlicher Entwicklungen und der Spieldynamik nicht mehr mit den Männern mitspielen konnte.“ Sie berichtet, dass sie das Glück hatte, in der Nähe eines Frauenteams zu wohnen, was ihr den Wechsel erleichterte: „Das war ein riesiger Vorteil, den viele andere Spielerinnen nicht haben.“ Im Profialter fehlten ihr jedoch sowohl die Unterstützung als auch die Bezahlung, die ihre männlichen Kollegen erhalten hätten: „Es war einfach schwierig, davon zu leben oder langfristige Perspektiven zu sehen.“

„Nach der U14 ist für die meisten Frauen der Fußball vorbei“
Er spielt selbst in der Regionalliga und trainiert Jugendmannschaften, in denen auch Mädchen mitspielen. Als Trainer sieht er die Herausforderungen, denen Mädchen im Fußball gegenüberstehen, als größten Karrierekiller: „Viele schaffen es aufgrund mangelnder Förderung und begrenzter Möglichkeiten nicht über den Jugendsport hinaus. Das ist besonders frustrierend, vor allem wenn man im Training ihr Potenzial sieht.“

Hobbysport und Ausblick
Die oben genannten Einrichtungen und Strukturen bilden die höchste Ebene für die besten Spieler:innen in ganz Österreich. In unteren Stufen, wie dem Hobbybereich, wird es für weibliche Spielerinnen noch schwieriger -reine Frauenmannschaften werden selten von Vereinen angeboten. Doch, um auf einer positiven Note zu enden: Der ÖFB und auch international die UEFA arbeiten daran, den Frauenfußball finanziell intensiver zu unterstützen und Mädchen den Zugang zu dem Sport zu erleichtern. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit Schulen und der Gründung reiner Mädchenvereine. National als auch international genießt der Frauenfußball immer mehr mediale Aufmerksamkeit und auch, wenn die aktuelle Situation fernab des Idealbildes ist, zeigt der Trend in die richtige Richtung.