Wie geht es eigentlich jenen, die Opfer von Online-Betrug geworden sind?

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Online-Betrug hinterlässt nicht nur finanzielle Schäden, sondern geht auch mit emotionalen Belastungen einher. Doch wie oft reden wir eigentlich darüber?

Gerade in der Vorweihnachtszeit, wenn viele Menschen online einkaufen, sind Betrüger besonders aktiv. Was passiert, wenn man zum Opfer von Online-Betrug wird? Wie fühlt es sich an, betrogen zu werden, und wie gehen Betroffene damit um?

Tim* ist Student, als er sich ein neues Handy kaufen will. Er hat ein scheinbar seriöses Angebot gefunden und ist mit der Verkäuferin lange in Kontakt. Als das Paket ankommt und er nur ein Plastikhandy vorfindet, ist er wie vor den Kopf gestoßen. Dieser Moment, in dem die Realität eintritt, ist für viele Betroffene ein Schock. Es ist nicht nur der finanzielle Verlust, der wehtut, sondern auch das Gefühl, manipuliert und ausgenutzt worden zu sein. „Ich habe mich im ersten Moment richtig betrogen gefühlt.“, sagt Tim*.

Es redet kaum jemand darüber, dass es in Betrugsmaschen oft gängige Taktik ist, dem Gegenüber sehr nahbar zu erscheinen. Tim* war mit der vermeintlichen Verkäuferin über mehrere Tage in Kontakt, hat auch immer wieder etwas von ihrem Alltag mitbekommen. „Ich war damals zum Glück schon so vorsichtig, dass ich von mir fast nichts preisgegeben habe.“, sagt er. Und dieses Vertrauen bricht dann plötzlich. Man bekommt es auf einmal mit der Angst zu tun – was ist, wenn man selbst etwas von sich preisgegeben hat, dass die kriminellen Betrüger nun abermals gegen einen verwenden können?

Man sucht nach einer Erklärung, aber am Ende bleibt möglicherweise nur das Gefühl, dass man selbst nicht gut genug aufgepasst hat. Tim* geht zur Polizei, erstattet Anzeige und legt die Beweise vor. Er bekommt Zuspruch von dem Beamten, der seine Anzeige aufnimmt, dass er nichts falsch gemacht hat. Das ist sehr wichtig, denn Betroffene fühlen sich oft mitschuldig, obwohl die Verantwortung ganz klar beim Täter liegt.

Das lange Warten und die Hilflosigkeit

Nach der Anzeige bei der Polizei beginnt oft eine Phase des Wartens, die von Unsicherheit geprägt ist. Man fühlt sich so und hat auch oft keine Kontrolle mehr über die Situation. Es ist schwer zu akzeptieren, dass man oft gar nichts mehr tun kann, außer warten.

Monate später wird Tim* gebeten, vor Gericht auszusagen, da der Betrüger gefasst wurde. Da wusste er wenigstens, dass die Anzeige etwas gebracht hat. Doch diese Genugtuung bleibt vielen Opfern verwehrt. „Es ist wohl schon so, dass ein Großteil der Fälle nicht aufgeklärt wird,“ erklärt eine Mitarbeiterin der Watchlist Internet, einer Organisation die als Erstanlaufstelle die Opfer von Internet-Betrug unterstützt. Ein Blick in den Cybercrime Report 2023 bestätigt: Im Jahr 2023 lag die Aufklärungsquote bei 31,6%. Von 65.864 gemeldeten Straftaten in der Kategorie „Internetkriminalität“ wurden 20.818 Fälle aufgeklärt.

Unterstützung und Hoffnung

Für viele Opfer ist es wichtig, Unterstützung zu suchen – sei es durch Familie, Freunde oder professionelle Anlaufstellen wie die Watchlist Internet. Diese bieten nicht nur praktische Hilfe, sondern auch emotionale Unterstützung. Denn während Prävention ein entscheidender Bestandteil im Kampf gegen Online-Betrug ist, dürfen die Opfer nicht vergessen werden. Sie brauchen nicht nur rechtliche Unterstützung, sondern auch ein Umfeld, das ihnen zuhört, sie stärkt und ihnen zeigt, dass die Schuld nicht bei ihnen liegt. Denn die emotionalen Narben, die ein Betrug hinterlässt, können genauso tief gehen wie die finanziellen Verluste.

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Neben den Selbstvorwürfen kommt bei vielen Opfern die Angst hinzu, anderen von dem Vorfall zu erzählen. Diese Scham kann dazu führen, dass Betroffene ihre Erfahrungen für sich behalten und sich isoliert fühlen. Offenheit und der Austausch mit anderen sind wichtige Schritte, um die psychische Belastung zu bewältigen. Das Wichtigste ist, sich klarzumachen, dass man kein Einzelfall ist.

Meldestellen für Online-Betrug:

*Name geändert