Weibliche Obdachlosigkeit bleibt oft unsichtbar – doch im Notquartier und Tageszentrum „Nordlicht“ der Volkshilfe Wien finden Frauen wie Gina und Katerina nicht nur Zuflucht, sondern auch eine Freundschaft, die ihnen Kraft und Hoffnung gibt. In einer Welt, die sie häufig allein lässt, finden sie in ihrer gegenseitigen Unterstützung die Kraft, optimistisch zu bleiben.


Zwischen Unsichtbarkeit und Stärke
Obdachlosigkeit hat viele Gesichter, doch die Situation von Frauen wird oft übersehen. Aus Angst vor sozialer Ausgrenzung und Scham meiden viele die öffentlichen Räume der Wohnungslosenhilfe. Das „Nordlicht“ ist ein Ort, an dem sie Schutz finden können – und manchmal auch etwas anderes Wertvolles: Freundschaft.
Ein sicherer Ort in einer unsicheren Welt
„Wir sind immer komplett ausgelastet, vor allem bei den Frauen,“ erklärt Alena Mach, die Leiterin der Notunterkunft. Sie beschreibt die Einrichtung als einen Ort, an dem die Bewohner:innen nicht nur ein Dach über dem Kopf finden, sondern auch eine Struktur, die ihnen hilft, den Alltag zu bewältigen. Besonders Frauen hätten oft spezielle Bedürfnisse, betont sie: „Jede Frau ist verletzlich und sollte als solche behandelt werden.“
Die Einrichtung bietet 100 Schlafplätze, davon 20 speziell für Frauen, und legt besonderen Wert darauf, der LGBTQIA+-Community sowie anderen schutzbedürftigen Gruppen Schutz und Privatsphäre zu bieten.
Eine Freundschaft, die Kraft gibt
Unter den Frauen, die im „Nordlicht“ Zuflucht gefunden haben, sind Katerina und Gina. Ihre Geschichten sind von Schicksalsschlägen geprägt, doch sie haben in ihrer schwierigen Situation etwas gefunden, das sie stärkt: Einander.
„Für mich hilft das, du hast einen Platz. Du hast alles, was du brauchst,“ sagt Gina, als sie beschreibt, was die Unterkunft für sie bedeutet. Katerina stimmt zu: „Es ist nicht nur der Ort, sondern auch die Menschen hier, die mir helfen.“
Die beiden Frauen unterstützen sich gegenseitig, sei es durch gemeinsame Gespräche, kleine Freuden wie Musik hören oder einfach durch die Gewissheit, nicht allein zu sein. „Ich habe Kati. Sie gibt mir viel Kraft,“ erzählt Gina.
Kampf um eine bessere Zukunft
Gina und Katerina haben nicht nur für sich selbst eine Hoffnung auf Veränderung, sondern auch für ihre Kinder. Gina, die einen 21-jährigen Sohn hat, und Katerina, deren Kinder derzeit vom Jugendamt betreut werden, träumen beide von einer Zukunft, in der sie ihren Kindern ein besseres Leben bieten können. „Ich will arbeiten. Ich habe gesagt, bitte, bitte, bitte, ich will arbeiten“, erklärt Gina, die entschlossen ist eine neue Lebensperspektive zu schaffen.
Katerina, die erst 21 Jahre alt ist und mit 18 Jahren nach Österreich gekommen ist, hat ebenfalls große Pläne für ihre Zukunft. Sie spricht von ihrer schwierigen Vergangenheit und den traumatischen Erfahrungen, die sie in ihrer Familie gemacht hat, doch sie bleibt optimistisch: „Alles Schlechte hat mir Kraft gegeben“, sagt sie. Sie ist entschlossen, bald wieder mit ihren Kindern zusammenzuwohnen und ein Leben zu führen, das ihr mehr Sicherheit bietet.
Die Unsichtbaren sichtbar machen
Alena Mach erklärt, warum weibliche Obdachlosigkeit oft übersehen wird: „Frauen verstecken ihre Situation häufig – sei es durch Couchsurfing oder Zweckbeziehungen.“ Sie betont, dass diese Unsichtbarkeit die Hilfe für Frauen zusätzlich erschwert. Gleichzeitig sind viele obdachlose Frauen von psychischen Erkrankungen betroffen, was die Situation noch komplizierter macht.

Diese Belastungen hängen oft mit Traumata, Gewalt und schwierigen Lebensumständen zusammen. Dahinter steckt jedoch eine tiefgreifende Genderproblematik, die Frauen in solche Lagen drängt.
Besonders dramatisch wird die Lage, wenn Kinder im Spiel sind. Viele Notunterkünfte bieten keine Möglichkeit, Kinder aufzunehmen. Für Mütter bedeutet das: Entweder sie lassen ihre Kinder zurück oder verzichten auf die dringend benötigte Hilfe. Viele Frauen verharren daher in ungesunden Beziehungen oder unsicheren Arbeitsverhältnissen, um Obdachlosigkeit zu verhindern.
„Warum muss sich eine Frau auf diese Art und Weise helfen müssen, um nicht obdachlos zu sein?“ fragt Mach und lässt diese Frage im Raum stehen.